Organisationsformen

Mehrliniensystem (Mehrlinienorganisation)

Das Mehrliniensystem, auch Mehrlinienorganisation genannt, ist eine Organisationsform, in der eine Stelle Weisungen von mehreren spezialisierten Vorgesetzten erhält. Jede Instanz ist für ein Fachgebiet zuständig, etwa Arbeitsvorbereitung, Qualität oder Instandhaltung. Es geht auf Frederick W. Taylors Funktionsmeistersystem zurück und setzt auf kurze Wege und Spezialisierung.

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Beispiel-Organigramm eines Mehrliniensystems: Werkleiterin mit drei Funktionsmeistern für Arbeitsvorbereitung, Qualität und Instandhaltung; jede Fachkraft ist mit allen drei Meistern verbunden
Beispiel: Jede Fachkraft erhält Weisungen von drei Meistern. Eine Linie ist durchgezogen (disziplinarisch), die beiden anderen sind gepunktet als fachliche Vorgesetzte eingetragen.

So funktioniert das Mehrliniensystem

Frederick W. Taylor schlug Anfang des 20. Jahrhunderts vor, den einen Werkmeister durch mehrere Funktionsmeister zu ersetzen. Jeder ist Spezialist für einen Teil der Arbeit, zum Beispiel Arbeitsverteilung, Zeit und Kosten, Prüfung oder Instandhaltung, und gibt den Arbeitern direkt Anweisungen für genau diesen Teil.

Für die einzelne Fachkraft heißt das: Sie hat mehrere Vorgesetzte, jeweils für ein Fachgebiet. Der Weg zur Entscheidung ist kurz, weil immer der zuständige Spezialist entscheidet. Dafür muss klar geregelt sein, wer im Konfliktfall Vorrang hat, sonst erhält dieselbe Person widersprüchliche Anweisungen.

Wann das Mehrliniensystem passt

In Reinform ist es heute selten. Es passt dort, wo Fachgebiete klar voneinander abgegrenzt sind und Fachwissen wichtiger ist als eine einheitliche Führung, etwa in Werkstätten, Laboren oder Kliniken, in denen ärztliche und pflegerische Leitung unterschiedliche Fragen verantworten.

Viel häufiger lebt das Prinzip in abgeschwächter Form weiter: als Trennung von disziplinarischer und fachlicher Führung und in der Matrixorganisation, die zwei Linien bewusst kombiniert. Wo Zuständigkeiten nicht sauber abgegrenzt sind, führt das Mehrliniensystem dagegen schnell zu Kompetenzkonflikten.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung

Eine Werkstatt mit drei Meistern: Der Meister für Arbeitsvorbereitung legt fest, welcher Auftrag wann gefertigt wird. Die Meisterin für Qualität bestimmt Prüfverfahren und gibt Teile frei. Der Meister für Instandhaltung entscheidet, wann Maschinen gewartet werden. Ein Zerspanungsmechaniker erhält von allen dreien Anweisungen, jeweils für ihr Fachgebiet.

Im Beispiel-Organigramm ist pro Fachkraft ein Meister als disziplinarischer Vorgesetzter durchgezogen verbunden, die beiden anderen als fachliche Vorgesetzte gepunktet. So bleibt das Bild lesbar und zeigt trotzdem alle Weisungsbeziehungen.

Vorteile und Nachteile

VorteileNachteile
Spezialisierte Führung: Fachfragen entscheidet die zuständige Fachperson.Widersprüchliche Anweisungen und Kompetenzkonflikte.
Kurze Weisungswege ohne Umweg über eine gemeinsame Instanz.Unklare Verantwortung, wenn etwas schiefgeht.
Entlastung einzelner Vorgesetzter.Hoher Abstimmungsbedarf zwischen den Vorgesetzten.
Gute Nutzung von Spezialwissen.Für Mitarbeitende schwer zu überblicken.

So zeichnen Sie ein Mehrliniensystem in mivochart

  1. Legen Sie die Leitung und die spezialisierten Vorgesetzten an.
  2. Ordnen Sie jede Fachkraft einem Vorgesetzten als Führungskraft zu, in der Regel dem disziplinarisch zuständigen.
  3. Öffnen Sie die Details der Fachkraft und tragen Sie die übrigen Vorgesetzten unter „Fachliche Vorgesetzte (gepunktete Linie)“ ein.
  4. Geben Sie Leitung, Fachvorgesetzten und ausführenden Stellen eigene Abteilungen und damit eigene Farben.
  5. Exportieren Sie das Ergebnis als PDF, wenn Sie es in einer Schulung oder Prüfungsvorbereitung zeigen möchten.

Häufige Fragen

Was ist ein Mehrliniensystem einfach erklärt?

Eine Person hat mehrere Vorgesetzte, und jeder ist für ein anderes Fachgebiet zuständig. Wer zur Qualität etwas sagt, ist ein anderer als der, der die Arbeit einteilt.

Wer hat das Mehrliniensystem entwickelt?

Es geht auf Frederick W. Taylor zurück, der um 1903 das Funktionsmeistersystem beschrieb: mehrere spezialisierte Meister statt eines einzigen Werkmeisters.

Was ist der Unterschied zwischen Mehrliniensystem und Matrixorganisation?

Im Mehrliniensystem kann eine Stelle viele Fachvorgesetzte haben, oft ohne feste Rangfolge. Die Matrixorganisation kombiniert gezielt genau zwei Dimensionen, meist Funktion und Produkt oder Projekt, mit geregelten Zuständigkeiten.

Wo wird das Mehrliniensystem heute eingesetzt?

Selten in Reinform. Verbreitet ist die abgeschwächte Form: disziplinarische Führung durch eine Person, fachliche Führung durch eine andere, etwa in Kliniken, Laboren oder bei Fachbereichen mit eigenen Fachvorgesetzten.

Wie stellt man ein Mehrliniensystem im Organigramm dar?

Jede Stelle wird mit allen weisungsberechtigten Vorgesetzten verbunden. Üblich ist, eine Linie durchgezogen und die übrigen gepunktet zu zeichnen, damit das Bild lesbar bleibt.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Frederick W. Taylor, Shop Management (1903) und The Principles of Scientific Management (1911): Funktionsmeistersystem.
  • Henri Fayol, Administration industrielle et générale (1916): Einheit der Auftragserteilung als Gegenposition.
  • Günter Wöhe, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre: Einlinien- und Mehrliniensystem.

Klassische Begriffe der Betriebswirtschafts- und Organisationslehre. Das Beispiel-Organigramm und alle Personen darin sind erfunden.

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