So funktioniert das Stabliniensystem
Die Linie bleibt unverändert: Jede Stelle hat genau eine vorgesetzte Instanz, Weisungen laufen auf dem Dienstweg. Zusätzlich werden einer Instanz, meist der Unternehmensleitung, Stabsstellen zugeordnet. Sie sind dieser Instanz unterstellt, aber niemand aus der Linie ist ihnen unterstellt.
Das Vorbild ist der militärische Generalstab, der den Befehlshaber berät, ohne selbst Truppen zu führen. In Unternehmen sind typische Stäbe Recht, Controlling, Qualitätsmanagement, Datenschutz, Unternehmensentwicklung, Kommunikation und die Assistenz der Geschäftsführung. Im Organigramm stehen sie seitlich neben der Instanz, nicht in der Reihe darunter.
Was eine Stabsstelle darf und was nicht
Eine Stabsstelle analysiert, berät, plant und kontrolliert im Auftrag ihrer Instanz. Sie darf Informationen anfordern und Empfehlungen geben. Was sie nicht darf: der Produktion, dem Vertrieb oder anderen Linienstellen Anweisungen erteilen. Setzt die Geschäftsführung eine Empfehlung um, geschieht das über die Linie.
Manche Stabsstellen sind gesetzlich vorgesehen, etwa Datenschutzbeauftragte oder Fachkräfte für Arbeitssicherheit. Erhält eine Stabsstelle dagegen echtes fachliches Weisungsrecht gegenüber der Linie, spricht man von einer Zentralstelle oder einem funktionalen Weisungsrecht. Das sollte im Organigramm sichtbar sein, etwa als gepunktete Linie.
Ein Beispiel zur Veranschaulichung
Ein Produktionsbetrieb mit drei Abteilungen stellt eine Juristin und eine QM-Beauftragte ein. Beide berichten an die Geschäftsführerin. Die QM-Beauftragte auditiert die Produktion und schlägt Korrekturmaßnahmen vor; ob und wann sie umgesetzt werden, entscheidet die Leitung Produktion. Die Rechtsabteilung prüft Verträge des Vertriebs, unterschreiben darf aber die Leitung Vertrieb.
Genau das zeigt das Beispiel-Organigramm: zwei Stabsstellen neben der Geschäftsführung, darunter die drei Linienabteilungen.
Vorteile und Nachteile
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Fachwissen an der Spitze, ohne die Einheit der Leitung aufzugeben. | Stäbe gewinnen informelle Macht ohne formale Verantwortung. |
| Entlastung der Instanzen von Analyse- und Vorbereitungsarbeit. | Konflikte zwischen Stab und Linie sind häufig. |
| Besser vorbereitete Entscheidungen, etwa bei Recht und Qualität. | Stabsstellen verursachen Kosten, ohne direkt zu produzieren. |
| Leicht in ein bestehendes Einliniensystem einzufügen. | Entscheidungen bleiben langsam, wenn die Linie den Rat ignoriert. |
So zeichnen Sie Stabsstellen in mivochart
- Legen Sie zuerst die Linie an: Geschäftsführung, Abteilungsleitungen, Teams.
- Fügen Sie die Stabsstelle als unterstellte Person der Instanz hinzu, der sie zuarbeitet.
- Öffnen Sie die Details dieser Person und schalten Sie „Assistenz“ ein. Die Karte steht dann seitlich neben der Instanz statt im Team darunter.
- Ordnen Sie Stabsstellen einer eigenen Abteilung wie „Stabsstellen“ zu, damit sie eine eigene Farbe bekommen.
- Hat eine Stabsstelle doch fachliches Weisungsrecht, tragen Sie sie bei den betroffenen Personen unter „Fachliche Vorgesetzte (gepunktete Linie)“ ein.
Verwandte Organisationsformen
Vorlagen mit dieser Struktur
Lieber mit einem fertigen Organigramm beginnen? Diese Vorlagen folgen demselben Aufbau und öffnen sich mit Beispielnamen im Editor.
Häufige Fragen
Was ist eine Stabsstelle?
Eine Stabsstelle ist eine Stelle, die eine Instanz berät und Entscheidungen vorbereitet, aber keine Weisungsbefugnis gegenüber der Linie hat. Typische Beispiele sind Recht, Controlling, Qualitätsmanagement und Datenschutz.
Was ist der Unterschied zwischen Stab und Linie?
Linienstellen haben Weisungsbefugnis und Ergebnisverantwortung. Stabsstellen beraten und unterstützen eine Linieninstanz, können der Linie aber keine Anweisungen geben.
Wo steht eine Stabsstelle im Organigramm?
Seitlich neben der Instanz, der sie zugeordnet ist, mit einer Verbindung zu dieser Instanz. So ist erkennbar, dass sie dazugehört, aber außerhalb der Weisungslinie steht.
Sind Stablinienorganisation und Stab-Linien-Organisation dasselbe wie das Stabliniensystem?
Ja. Die drei Begriffe bezeichnen dieselbe Organisationsform: ein Einliniensystem, ergänzt um beratende Stabsstellen.
Kann eine Stabsstelle Mitarbeitende haben?
Ja. Eine Rechtsabteilung kann mehrere Juristinnen und Juristen umfassen, die der Leitung Recht unterstellt sind. Gegenüber der übrigen Linie bleibt die Abteilung trotzdem beratend.
Ist die Assistenz der Geschäftsführung eine Stabsstelle?
In der Regel ja. Sie unterstützt eine Instanz und hat keine Weisungsbefugnis gegenüber der Linie. Deshalb steht sie im Organigramm meist seitlich neben der Geschäftsführung.
Quellen und weiterführende Literatur
- Henri Fayol, Administration industrielle et générale (1916): der Stab als Unterstützung der Leitung.
- Der preußische Generalstab des 19. Jahrhunderts als historisches Vorbild der Stabsstelle.
- Günther Schreyögg und Daniel Geiger, Organisation: Stab-Linien-Organisation.
Klassische Begriffe der Betriebswirtschafts- und Organisationslehre. Das Beispiel-Organigramm und alle Personen darin sind erfunden.